Der ProzessStandard Digitaldruck gilt als wichtige Leitlinie. Trotzdem wissen viele Druckdienstleister nicht genau, was es damit auf sich hat. Dr.-Ing. Julie Klein (JK), Vorstufentechnik beim Fogra Forschungsinstitut für Medientechnologien e.V. schafft deshalb in diesem Interview Klarheit.
FESPA: Was genau versteht man unter dem ProzessStandard Digitaldruck (PSD) – und wie unterscheidet er sich von anderen Standards wie dem ProzessStandard Offsetdruck (PSO)?
JK: Der ProzessStandard Digitaldruck enthält Vorgaben und Empfehlungen für die industrieüblichen Digitalproduktion. Er verbindet zahlreiche relevante ISO-Standards, wobei der Fokus auf ISO 15311 liegt. Die drei Hauptziele des PSD sind:
- Die Ausgabeprozesskontrolle: Es wird regelmäßig geprüft, ob die Druckqualität stimmt.
- Die Farbtreue: Die Erwartungen der Kunden werden erfüllt.
- Der Workflow: Von der Datenprüfung bis zur Lichtkabine werden die Schritte des Arbeitsablaufs für die bestmögliche Qualität durchgeführt.
Aufgrund der Vielfalt an Technologien im Digitaldruck werden im PSD immer Druckkombinationen berücksichtigt. Das bedeutet: Druckmaschine, Substrat, RIP und Farbmanagement-Software werden zusammen betrachtet.
Der PSD ist prozessagnostisch und kann für jede digitale Technologie verwendet werden. Der ProzessStandard Offsetdruck (PSO) hingegen ist auf den Offsetdruck abgestimmt und liefert konkrete Sollwerte für Offsetprozesse.
FESPA: Welche konkreten Vorteile bringt der ProzessStandard Digitaldruck für Druckdienstleister im täglichen Produktionsprozess?
JK: Mit dem PSD wird ein internes Qualitätsmanagement aufgebaut. Dieses umfasst unter anderem Farbmessungen des Fogra-Medienkeils, den Umgang mit PDF/X-Dokumenten, die Dokumentation der Qualität und die Abmusterung. Die Arbeitsabläufe werden klarer und stabiler, was sich positiv auf die Druckqualität und die Prozesssicherheit auswirkt. Auch die Kommunikation mit den Kunden wird einfacher.

FOGRA: Wie wirkt sich die Anwendung des PSD auf die Qualitätssicherung und Reproduzierbarkeit von Druckergebnissen aus?
JK: Mithilfe der systematischen Prozesskontrolle durch den Fogra-Medienkeil werden die Systeme regelmäßig überprüft und Abweichungen werden schnell erkannt. Dadurch wird die Druckqualität nicht mehr subjektiv, sondern objektiv anhand messbarer Kriterien bewertet.
FOGRA: Welche Rolle spielt der PSD bei der Kommunikation zwischen Auftraggebern, Agenturen und Druckereien?
JK: Der PSD definiert Schnittstellen und Messkriterien, so dass Auftraggeber, Agenturen und Druckereien dieselben Erwartungen hinsichtlich Farbgenauigkeit und Auflagestabilität haben. Die eine Seite erwartet genau die Ergebnisse, die gedruckt werden, und die andere Seite druckt genau das, was erwartet wird. Somit werden die Abstimmungen, Nachfragen und Reklamationen reduziert.
Mit einer PSD-Zertifizierung kann eine Druckerei außerdem ihre Qualität nachweisen und dies nach außen kommunizieren. Die Liste der zertifizierten Firmen ist jederzeit auf der Fogra-Webseite einsehbar.
FESPA: Wie aufwendig ist die Implementierung des ProzessStandard Digitaldruck in bestehende Workflows – und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Was kostet eine Zertifizierung ungefähr?
JK: Zu den technischen Voraussetzungen gehören ein manuelles Spektrofotometer, Software für das Farbmanagement und die Bearbeitung von PDF-Dateien, eine Normlichtkabine sowie eine Lizenz für den Fogra-Medienkeil. Letztere ist teilweise auch schon in anderen Softwares enthalten. Wer ohnehin mit hoher Farbqualität drucken möchte, verfügt in der Regel bereits über eine solche Ausstattung.
Je nach Bedarf müssen die Mitarbeiter geschult werden, wenn das nötige Know-how noch nicht vorhanden ist oder aufgefrischt werden sollte. Dabei können die Fogra oder ein Digital Print Partner der Fogra helfen. Die aktuellen Kosten einer PSD-Zertifizierung können auf der Webseite eingesehen werden.
FESPA: Gibt es messbare wirtschaftliche Vorteile durch PSD, etwa durch weniger Ausschuss, kürzere Rüstzeiten oder optimierte Farbverbindlichkeit?
JK: Ja, es gibt wirtschaftliche Vorteile, beispielsweise durch weniger Reklamationen oder Nachdrucke oder durch bessere Abläufe, die Zeit sparen. PSD zertifizierte Druckereien berichten von 10-20% Einsparungen durch weniger Testaufwand.
FESPA: Wie unterstützt der ProzessStandard Digitaldruck die Integration von Softproofs und Farbmanagement-Systemen?
JK: Das Farbmanagement ist ein Pflichtbestandteil des PSD. Dabei wird die gesamte Prozesskette inklusive ICC-Profilierung und Farbtransformationen überprüft.
FESPA: Welche typischen Fehler oder Missverständnisse begegnen Ihnen immer wieder bei der Einführung des PSD in Unternehmen?
JK: Beim PSD geht es nicht nur um die Druckmaschine. Manche Unternehmen unterschätzen den Einfluss des Substrats, der RIP-Einstellungen oder des Umgangs mit den Messgeräten.

FESPA: Wie entwickelt sich der ProzessStandard Digitaldruck weiter – gibt es neue Versionen, Erweiterungen oder Anpassungen an moderne Drucktechnologien?
JK: Der PSD wird jährlich im Technischen Beirat Digitaldruck der Fogra besprochen. Dort wird entschieden, welche Themen für die Industrie relevant sind. So wurden beispielsweise der Mehrfarbendruck und der Textildruck mit den entsprechenden Fogra-Medienkeilen in den PSD integriert. Alle Interessierten sind eingeladen, sich zu beteiligen und zur Weiterentwicklung des PSD beizutragen.
Das PSD-Handbuch steht auf der Webseite der Fogra sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch kostenlos zur Verfügung.
FESPA: Für welche Unternehmen lohnt sich der PSD besonders – und gibt es Fälle, in denen er weniger relevant ist?
JK: Wenn eine verlässliche und reproduzierbare Druckqualität erwartet wird, lohnt sich der Einsatz des PSD.