DTF ist der neue Star am Himmel, wenn es um digitalen Bekleidungsdruck geht. Wird Direct-to-Film nun auch die Märkte für gedruckte Innendekoration gehörig durcheinanderwirbeln?
Was ist DTF-Druck und warum ist er relevant für Innendekoration?
Der DTF-Druck hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung erfahren. Denn das Transferverfahren überzeugt durch eine hohe Deckkraft, starke Farbwirkung und eine stabile Verbindung mit vielen gängigen Textilfasern wie Baumwolle, Polyester, Mischgeweben, Nylon oder Viskose.
Derzeit kommt die Technologie vor allem beim Bedrucken von Arbeits- und Sportkleidung, Werbeshirts und kleinen Designer-Kollektionen sportiver Streetwear zum Einsatz. In diesen Bereichen hat DTF das Direct-to-Garment (DTG)-Verfahren sogar weitgehend abgelöst. Wäre es da nicht auch an der Zeit, dass DTF bei gedruckter Innendekoration eine größere Rolle spielt?
„Wir haben von unseren Kunden noch nicht gehört, dass diese größere Mengen von Heimtextilien mit DTF herstellen“, sagt dazu Andree Bölkow, Geschäftsführer der Easy Inks GmbH. Das Unternehmen bietet DTF-Tinte aus eigener Produktion, DuPont Artistri P1600 DTF Tinte sowie passende Folien und Streukleber an.
„DTF hat sicherlich die Erwartungen innerhalb der Innenausstattungsbranche beeinflusst, aber seine Auswirkungen sind derzeit eher ergänzend als transformativ“, sagt dazu auch Encarna Luque, EMEA Product Manager bei Roland DG. Das Unternehmen hat mit dem Modell TY-300i für Folienrollen bis 76 cm Breite im Januar 2026 eine überarbeitete Version seines zweiten, für den DTF-Druck konzipierten Drucker auf den europäischen Markt gebracht. Mit einem Durchsatz von nun fast 11 qm/h im Standard-Modus empfiehlt er sich für die Produktion größerer Lauflängen von DTF-Folien, bestätigt auch Luque: „Die Dual-Druckkopf-Architektur, die erweiterte Tintenkapazität und die automatisierten Wartungssysteme des TY-300i machen ihn zu einem echten Produktionsgerät.“
Der im Januar 2026 vorgestellte Roland DG TY-300i DTF-Drucker ist für größere Lauflängen konzipiert. Foto: Roland DG.
Einsatzgebiete von DTF im Interior Design
Doch obwohl brandneue Modelle wie der Roland DG TY-300i oder Epson SureColor G9000 vor allem bei Natur- und Mischfasern sowie Leder viele neue Möglichkeiten eröffnen, hält Luque DTF für „nicht unbedingt besser als Sublimation oder DTG für den Textildruck im Bereich der Innenausstattung.“
Vielmehr, so betont er solle DTF-Transfer „als ergänzende Technologie verstanden werden, die Anwendungsmöglichkeiten erweitert, anstatt die anderen zu ersetzen.“ Dank der Vielseitigkeit von DTF hält er das Verfahren vor allem für ergänzende Produkte wie Kissen, Deckchen oder kleinformatige Wanddekorationen ideal geeignet.
Ähnlich sieht das auch Bölkow. Er gibt zu bedenken, dass DTF-Interior-Prints meist nicht so waschbeständig sind wie Motive im Sublimationsdruck auf Polyester. „Ich kann mir daher Innendekoration im DTF-Verfahren sehr gut für das saisonale Gastgewerbe vorstellen. Also etwa Oster- oder Weihnachtsmotive auf einem kleinen Baumwolldeckchen für den Brotkorb. Oder DTF-gedruckte Kissen, die speziell für einen jährlichen Event genutzt werden. Diese müssen dann pro Saison vielleicht nur einmal gewaschen werden, und lassen sich dadurch viele Jahre verwenden.“
Derzeit halten die meisten Experten den DTF-Druck in der Innendekoration für eine Ergänzung bestehender Technologien wie Sublimations- und Direktdruck. Foto: Sonja Angerer
Grenzen des Verfahrens bei Innendekoration
Wie Bölkow bereits zu bedenken gab, eignen sich DTF-Transferdrucke ähnlich wie textile Direktdrucke mit Pigmenttinten (DTG) nicht für Anwendungen, bei denen das Produkt allzu häufig gewaschen werden muss. Denn nach etwa 20 Maschinenwäschen zeigen die Drucke meist deutliche Abnutzungsspuren und verlieren ihre brillante Farbigkeit. Das limitiert die Anwendungsmöglichkeiten beim DTF-Druck von Heimtextilien. Für Bettwäsche oder Handtücher ist DTF deshalb kaum geeignet.
Das Verfahren hat aber noch weitere Grenzen. Da das Motiv unter Druck und Hitze von der Folie auf den Stoff übertragen wird, funktioniert DTF auf stark strukturierten Textilien, hochflorigen Materialien oder hitzeempfindlichen Fasern nicht zufriedenstellend. Der Transferfilm kann sich bei der vorgeschriebenen Temperatur von ca. 150 bis 160 Grad nicht vollständig mit dem Fasermaterial verbinden. Werden Andruck oder Temperatur in der Transferpresse daher erhöht, kommt es aber schnell zu Verfärbungen oder Schäden am Textil.
Damit bleibt DTF besonders für glatte oder mittelfein gewebte Materialien am besten geeignet. Glücklicherweise sind diese Texturen derzeit im modernen Interior Design weit verbreitet.
Der neue Epson SureColor G9000 arbeitet auf marktüblichen DTF-Folien bis 1,63 cm (64 Zoll) Breite. Foto: Epson
Fazit: DTF ist eine Ergänzung
An den Anfang 2026 vorgestellten DTF-Druckern von Epson und Roland ist deutlich zu sehen: Der DTF-Markt entwickelt sich von Einzelstücken und Kleinstserien hin zu größeren Lauflängen. Das kommt der Produktion von Heimtextilien entgegen.
Dazu Achim Bukmakowski, Head of Commercial & Industrial Printing der Epson Deutschland GmbH: „Kunden erwarten von ihren Drucklösungen eine hohe Produktivität, Zuverlässigkeit und einen möglichst geringen Wartungsaufwand. Der SC-G9000 wurde genau auf diese Anforderungen hin entwickelt und ist daher die optimal passende Lösung für Produktionsumgebungen mit hohem Durchsatz.“
Ganz ähnlich äußert sich auch Luque: „Der Roland DG TY-300i ist speziell für den Einsatz in Umgebungen mit hohem Volumen an Bekleidungsdekorationen und Fulfillment-Prozessen konzipiert, die eine stabile Leistung bei weißer Tinte, Zuverlässigkeit im Mehrschichtbetrieb und hohe Produktionsgeschwindigkeiten erfordern.“
Gleichzeitig macht der Roland DG EMEA Product Manager aber auch klar: „Andere Technologien wie UV, Harz (Latex) und Eco-Solvent bleiben für die Innenausstattung bei großen Flächen weiterhin dominanter.“
Trotzdem kann man davon ausgehen, dass auch der DTF‑Druck die Optionen in der Innendekoration nochmals deutlich erweitert. Denn mit DTF-Transfer ist es möglich, kleinere Heimtextil-Artikel wie Kissen, Textilbilder oder Deckchen aus Baumwolle, Mischgewebe oder Leder detailreich und farbstark im Digitaldruck zu gestalten, ohne dass dazu ein Primer benötigt wird.
Zusammenfassend sagt Luque dazu: „DTF ist eine äußerst flexible Zusatzlösung, die für verschiedene Stoffarten und -farben geeignet ist. Sie eignet sich gut für kleine Auflagen und individuelle Anpassungen. Neue Entwicklungen, darunter 64-Zoll-Systeme, erweitern ihr Potenzial für die Produktion größerer Stückzahlen und könnten in naher Zukunft eine effizientere Dekoration größerer Textilstücke für Innenausstattungsanwendungen ermöglichen.“
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